Fr. 6.6.08, 16 Uhr, Treffpunkt vor der Tourist-Information (Neuperverstr. 29, Salzwedel)
"Dr. Nicolas Nowack führt entlang seines opto-poetischen Schilder-Pfads durch Salzwedel
(mit Lesung aus "Hier entsteht demnächst ein Sinn" - dem Buch, das den Pfad dokumentiert) "
Wer schon immer etwas über diese Texttafeln mit schrägen oder assoziationsreichen Sprüchen wissen wollte, erfährt es hier. "Optische Poesie" hat Nowack seine Texte im öffentlichen Raum genannt, die bewusst Ge- und Verbotsschilder parodieren, die seit Jahren Salzwedels Innenstadt, Bänke, Abfalleimer oder Laternenpfähle zieren. Er setzt sich dabei mit deutsch-deutscher Wiedervereinigung auseinander und macht deutlich: Er vermisst eine Sinnsuche in der Politik. In Nowack´s jetzt vorgestelltem Buch "Hier entsteht demnächst ein Sinn" sind die Schilder vollständig nebst Hintergründen dokumentiert - natürlich wieder "hintergründig".


Eintritt: Euro 15,- (inkl. kleines Frühstück + 1 Getränk nach Wahl + Programm)
Verbindliche Anmeldung erforderlich unter Tel. 227 92 03 oder 207 69 037, oder per Email an: lit@lit-hamburg.de oder per Fax an 229 15 01

„AUSBRUCH DER SILBEN“
Nicolas Nowack-Duchamp und Hans Molzberger machen Schafe in der Altmark zu vielsagenden Silbenträgern
Eine landwirtschaftliche Leistungsschau gilt gemeinhin nicht als der Ort, wo sich zeit-genössische Kunst präsentieren könnte. Und wenn, dann in süßlicher Form. Dann erwartet man Öle mit glücklichen Kühen oder Fotos niedlicher Lämmer. Doch nicht so, wenn Nowack oder Molzberger zur künstlerischen Tat schreiten. Dann wird es bissig, rätselhaft oder verstörend.Den Chiffren ihrer gemeinsamen Installation nähert man sich daher am besten durch assoziative Fragen: Ein elektrisch geladener Weidezaun trennt Besucher und Darsteller (sechs Schafe). Wer soll vor wem geschützt werden? Das Publikum vor den beiden Künstlern, die sich hier vielleicht als Wölfe im Schafspelz darstellen, oder die künstlerische Sensibilität vor einer rohen, sensationshungrigen Öffentlichkeit? Oder soll durch drohenden Stromschlag dem zunehmenden Eindringen des Staates in die (hier im Gehege ohnehin schon offensichtliche) Privatsphäre begegnet werden? - Denn die Tiere tragen – in den Schafspelz geschoren und mit kränklich anmutender Farbe hervorgehoben - die Buchstaben H und N, also die An-fangsbuchstaben der beiden Künstlervornamen. Oder wird der Betrachter durch fünf Schafe mit H - deutsch ausgesprochen „Ha“, französisch ausgesprochen „asch“ - einfach ausgelacht und vera(r)scht? Ist alles Rätseln und Tun nur „Asch(e)“? Aber vielleicht ist nicht der Rezi-pient gemeint, sondern es sind die (Nicht-)Macher der allerneuesten Gesundheitsreform als Schafe dargestellt, die durcheinander laufen? Schließlich münden zwei Infusionen mit H und N (= nicht?, nein?) in die Tränke. Und die Mähs vom gleichzeitig abgespielten Soundtrack werden immer schneller, bis sie in ein unorganisches Zwitschern übergehen. Gerade auf einer Tiergewerbeschau lässt sich Letzteres auch als Warnung vor dem Vogelgrippevirus (H5 N1 – denn es sind 5 junge Schafe mit H und eines mit N) verstehen, das nach anfänglichem „Ausbruchs“-Hype so gänzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Können Infusionen menschlicher Buchstabengene noch heilen bzw. dem Virussilbenübergang auf andere Lebewesen noch vorbeugen? Und hilft gegen solche Bedrohungen nur noch Beten? (Schließlich ist das Lamm ja ein christliches Symbol.) Beten um eine Eingebung – für die verantwortlichen Politiker oder für die Betrachter dieses Werks? Oder…? – Es war eine gute Eingebung der Organisatoren dieses EU-Festivals die assoziations-“provozierenden“ Künstler Nowack und Molzberger zu beauftragen.
„Ausbruch der Silben“ ist zu sehen am Sa. 26.08.06 bei der „Tier- und Gewerbeschau“ in: 39624 Kakerbeck und danach bis zum 16.09.06 auf der Weide: Hauptstr.1, 29413 Ellenberg OT Hilmsen (beide Sachsen-Anhalt).
Foto: Thomas Böder