Dit un Dat

Aussprüche, Aphorismen und so

Aktuell

"Aktuell" (eigentlich: Aktduell) ist ein Begriff, der von den Medien verwendet wird, um die sprachliche Form politischer Aktfotografie anzukündigen.

Allgemeines Gleichstellungsgesetz

Da die Begriffe "Herr, Mann" bzw. "Frau, Dame" jeweils das eine Geschlecht gegenüber dem anderen diskriminieren (von lat.: unterscheiden), werden sie ab sofort aus Gründen der politischen Korrektheit durch den einheitlichen Begriff "Hmfd" ersetzt.

Beamte

Beamte sind leider immer zweite Wahl. Wenn sie Mitarbeiter erster Wahl wären, würden sie A-amte heißen.

Behörde

"Behörde" ist ein Schreibfehler, eigentlich muss es "Behürde" heißen.
"Be-hör.de" ist keine Website, sie hört aber dennoch im Web überall mit.
Wer meint, dass "Behörde" etwas mit "Zuhören" zu tun hat, sollte mal in eine Behörde gehen.

Bürokratie

Bürokratie kann nicht schlecht sein, so lange es bei Besprechungen Kaffee gibt.
Was trifft für DEUtschland zu? Bürokratisch oder bEUrokratisch?

dada

das problem des dada
ist sein alter
tadder.

Demokratie

Wer geht schon gern auf eine Demo? Die meisten Deutschen gehen ins Büro!
Deutsche, seid ehrlich! - Wir wollen doch keine Demo-, sondern eine Bürokratie.

Fußabtreter:

In spezieller Nahkampftechnik ausgebildete Elitetruppe.

Fußball

Man sollte die Zeiten eines Fußballspiels verkürzen, damit mehr Zeit für die Übertragung von Fußballer-Interviews bleibt.

Heizungen

(eigentlich "Hi! zungen" oder Hai-zungen?): Das Grüßen Schiffsbrüchiger

Kultur

Kultur braucht das Gespräch: Z.B. das mit Ihnen!

Kultur braucht nur, wer an der Gesellschaft aktiv teilnimmt. Und wer tut das noch?

Öffentlichkeitsarbeit - in der westlichen Welt - heute

Wer eine überwältigende Reaktion auf seinen Presse-Text wünscht, muss diesen nur in einem Telefonat verlesen und dabei ein paar Mal "arabisch" oder "Guantanamo" sagen.

Große Prosa

Die Größe von Romanautoren
erkennt man nur am Sitz der Ohren.

Politiker

Poly (griech.): viel, viele
Tick: fixe Idee, auch Geräusch eines gut geölten Uhrwerks
Politiker (eigtl. Polyticker): 1. Steigerungsform (Komparativ) von Politik

"Wie ich mich nun persönlich fühle? Das wird Ihnen gleich mein Pressesprecher sagen."

Politische Programme

Aktuelle politische Programme erfährt man heute in der Sendung "Wünsch Dir was".

Publikation

Publikationen stammen ab von lat. pubes (der Sexualregion).

Bilden Sie doch mal einen SATZ
mit ...

Brigitta: Nie werde ich, mein KoliBri, / Gitta um dich bauen, nie!

entlastendes Verkehrsgutachten:

"...ja, Herr Staatsrat, Schwertransporte. Jede Straße brent!
- Lasten des Verkehrs."
"Gut. Achten Sie auf die Diäten für das Parlament,
ordern Sie auch noch paar Damen. Alles klar? Das wär´s."

Kafka: Nur Ämter und Käfer in diesem Kaf ! / Kaine Bordelle - wirklich schlaff.

Kanzler: Is das alles, was du kanz: / ler reden, Öl und Arroganz?

Linguistenkinder:
U! Wie eklig! Ein Engerling. /
U! Isten Kindern der zumutbar - dieser singende Dichterling?

Silvester: Frauen finden das Knallen fossil, / vesternmäßig?- doch das machts viril!

Uhrwerk: Das heißt jetzt "Amt"? Nicht "AgentUhr"? / Wer kennt die Unterschiede nur?

Weihnacht: Heut kommt bei Jungfern, o weh, au weih, /
nach tem Ersten meist Nummero Zwei

Sozialversicherung

Sozialversicherung hat nichts mit Rentenzahlung oder Krankenbehandlung zu tun, sondern heißt, dass Politiker versichern, sozial zu denken.

TV

Programm-Ansager sagen im Fernsehen das Programm an: Daher sollten Parteien ausschließlich Programm-Ansager als Parteivorsitzende wählen.

TV-Auftritt

Nicht nur am Nachmittag zeigt sich bei manchem interviewten Herrn, dass es eigentlich "Tee-Pfau-Auftritt" heißen müsste.

Zeitungen

Je röter, desto töter.

Statt von "Titeln" sollte man lieber von "Titteln" sprechen.

Das Schönste an Zeitungen sind die Überschriften. Zeitungen sollten daher nur noch aus Überschriften bestehen.

Zeitungen heißen Zeitungen, weil sie so viel Zeit zum Lesen erfordern. Statt "Zeitungen" sollten daher nur noch "Kürzungen" publiziert werden.

Zitat

was hat ein zitat eigentlich mit "tat" zu tun?
Zitate (eigentlich: Ziehtate) dienen dazu, gedankenarme Vorträge in die Länge zu ziehen.
Wer sich mit Zitaten schmückt, sollte diese lieber Zierzutaten nennen.
An Zitaten ist kein Mangel, an Taten schon.
Zitate ersetzen eigene Gedanken.

Nicolas Nowack: Hamburg

es regnete
es regnet     e
es regnet Kaffee
es regnet Tee

 

Gunter Gerlach
für Nicolas Nowack zum Geburtstag

N.N.

Es gibt immer wieder Leute, die ihn gesehen haben. Im Vorbeifahren. Nachts in einem dunklen Wagen auf der Landstraße. Eine zufällige Laterne reflektiert mit ihrem Schein ein blasses Gesicht. Und ein Mann, der vor die Tür ging, weil er nicht schlafen konnte schwört: "Das war er."
"Wirklich? Was genau haben Sie gesehen?"
"Das Haar, es blitzte auf. Ich fühlte mich fotografiert."
"Und sonst?"
"Der Kopf ragte aus einem schwarzen Rollkragen."
"Und?
"Eine Nase! Er trug eine Nase."
Ich nicke. Er ist es. Ich bin ihm wieder auf der Spur. Nähern ohne nahe zu kommen, nennen wir das Verfahren in unserer Behörde. Wir haben es perfektioniert.
Wieder eine Straße, die er befahren hat. Eine weitere Linie auf meinem Blatt. Ich notiere jede Spur als eine Art Grafik. Wenn ich annehme, dass er angehalten hat oder durch eine Brücke gefahren ist, lasse ich die geraden Linien seiner Spuren abbrechen. So ergeben sich Zeichen. Jeder Weg, den N.N. geht oder fährt, im Kreis oder hin und zurück, oder wenn er stehen bleibt, ergibt Pfeile, Kreise, Punkte auf meinem Blatt. Diese Art der Notizen sind nicht nur eine besondere Vorsichtsmaßnahme. Denn für diese Ermittlung habe ich keine Genehmigung meines Vorgesetzten. Nein, es ist zugleich auch das Prinzip meiner Untersuchung. Sie werden das noch verstehen.
Eine erleuchtete Tankstelle taucht auf. Meine Ahnung sagt mir, dass er hier gehalten hat.
"Haben Sie ihn gesehen."
"Sicher. Er hat hier getankt."
"Und weiter?"
"Warum fragen Sie?"
"Oh, er hat etwas verloren. Ich wollte es ihm zurückgeben." Aus meiner Sicht ist das ist nicht unbedingt eine Lüge.
"Er ist dann dort rüber gegangen. Wie immer."
"Wie immer? Ging er schnell?"
"Sein Mantel flatterte."
Ich folge dem ausgestreckten Zeigefinger. Ich weiß schon, was mich erwartet. Überall an den Strecken, die er zurücklegt, gibt es diese kleinen Nischen in Raststätten oder Lokalen, in Häusern, Anstalten, Institutionen. Unvermittelt trifft man auf so einen Raum, kaum größer als eine Telefonzelle. Gekalkte Wände mit nichts als einem hölzernen Stehpult davor. An solchen Punkten weicht N.N. von seinem Weg ab, macht einen scharfen Schwenk nach links oder rechts, um etwas zu notieren.
Hier ist es nicht anders. Er muss aus seinem Wagen gesprungen sein, um seinen Stift über das bereitliegende Papier zu hetzen. Manchmal sind es nur Sätze, manchmal ganze Seiten voll. Natürlich lässt er die Schriftstücke nicht zurück. Oft kann ich am harten Abdruck des Stiftes auf der Unterlage die flüchtige Schrift sichtbar machen. Ich kenne seine Handschrift genau. Aber ich weiß nicht, was er da schreibt. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich will ihm nicht zu nahe kommen. Es würde mich verwirren. Sie verstehen, das Prinzip unserer Behörde. Distanz.
Nur so kommen wir den Dingen wirklich auf den Grund.
Für diese Verfolgung habe ich allerdings bewusst auf den Rückhalt meiner Vorgesetzten verzichtet. Wir sind zwar eine moderne Behörde mit unkonventionellen Methoden, aber meine Idee geht weit über unser Maß hinaus. Ich habe auch keinen Kollegen eingeweiht.
Ich bin überzeugt, wenn ich erst einmal genug Spuren zusammen habe und meine Ergebnisse vorlegen kann, wird niemand mehr zweifeln. Ich werde als Erfinder einer neuen Technik in die Geschichte eingehen. Das alles verdanke ich N.N. Sie werden verstehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt seinen vollständigen Namen nicht nennen kann. Er ist nicht nur das Objekt meiner Beobachtungen, sondern er hat - ohne es zu wissen - mich auf diese Idee gebracht, Bewegungen in Zeichen zu übersetzen. Eines nachts rief er mich von unterwegs an. Er fuhr im Auto und sprach über ein Mobiltelefon mit mir. Immer setzte es zwischendurch aus. Manchmal wurde die Verbindung ganz unterbrochen und kurz darauf rief er erneut an. Ich begann zu begreifen, dass darin eine verborgene Mitteilung lag. Das er mit diesem Gespräch gleichzeitig Punkte und unterbrochene Linien über die dunkle Landschaft legte. Sie kennen das vielleicht, wenn jemand mit einer Taschenlampe vor einer auf Dauerbelichtung eingestellten Kamera hantiert. Erst auf dem entwickelten Foto erkennt man dann das Bild, das mit dem Lichtstrahl gemalt wurde.
Ich folge der Straße weiter. Es wird langsam hell. Ich kenne die Strecke gut. N. N. fährt sie oft. Doch dann plötzlich entdecke ich ein neues Gebäude. Es steht wie ein Würfel auf freiem Feld. Keine Fenster. Ich halte, suche den Eingang. Ein Wassergraben rundherum. Doch dann eine Tür. Ein dünner alter Mann öffnet einen schmalen Spalt.
"Was ist das hier?" frage ich.
Er greift nach meiner Jacke, zieht mich mit einem Schwung hinein. Dann entschuldigt er sich. "Es muss immer schnell gehen, mit der Tür", sagt er, "damit nichts von meiner Sammlung entweichen kann."
"Was sammeln Sie hier?" Ich sehe nur einen großen leeren Raum.
Der Alte schweigt. Erst als ich ihm den Ausweis meiner Behörde zeige, gesteht er. "Ich sammle sein Lachen hier drinnen. Man muss es sammeln."
Ich weiß, dass er N.N. meint. Ich nicke.
"Wenn Sie ihm begegnen, fangen Sie etwas davon für mich ein", flüstert der Alte.
"Ich komme ihm nicht nahe genug." Ich gehe zur Tür. "Übrigens, ich war niemals bei Ihnen", sage ich.
Ich steige wieder in mein Auto und zum ersten Mal kommt mir der Gedanke, er weiß, dass ich ihm folge. Mit dieser Sammlung versucht er, mich auszulachen. Er weiß, was ich tue.
Ich brauche ein Ergebnis. Jetzt. Ich fahre zurück und breite alle meine Notizen über seine Bewegungen vor mir aus. Seiten voller schräger, horizontaler und vertikaler Striche, voller Kreise und Punkte. Ich betrachte sie aus allen Perspektiven, drehe sie. Nichts.
Enttäuscht werfe ich die Blätter von mir, und da erkenne ich die Lösung. Ich brauche nur die Seiten übereinander zu legen und gegen das Licht halten. Was sich ergibt, sind Buchstaben in seiner eigenen Handschrift. Ganze Sätze. Eine Geschichte. Ich hatte recht. Ich habe sein Geheimnis entdeckt. Begierig beginne ich zu lesen.


(Veröffentlichung auf dieser Web-Site mit freundlicher Genehmigung von
Gunter Gerlach)

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